Winterthur: Industrie trifft Kunst

Winterthur, im Volksmund Winti genannt, ist eine politische Gemeinde im Kanton Zürich in der Schweiz sowie Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Mit rund 105'000 Einwohnern ist die Stadt Winterthur die sechstgrösste Stadt des Landes und die zweitgrösste des Kantons.

Das "alte" Winterthur liegt in der Umgebung vom heutigen Oberwinterthur und war von Kleinbauern, Handwerkern und Kaufleuten besiedelt. Die Römer nannten den Ort Vitudurum. Sie lag an einer bekannten Strasse von Vindonissa (Windisch) nach Arbor (Arbon). Spuren römischer Besiedlung fand man auch in der heutigen Altstadt. Dort befanden sich Gräberfelder und ca. 6 Kirchen, darunter ein Holzkirche aus dem Frühmittelalter (7. - 8. Jh.n.Chr.).

Ab dem 12. Jh. hatten die Grafen von Kyburg die Oberhand in der Stadt. 1264 geht die Stadt in den Besitz von Rudolf von Habsburg über. Als Gegenleistung sicherte er Winterthur in einer Urkunde das Stadtrecht zu. Winterthur wurde als Stützpunkt gegen die wachsende Eidgenossenschaft nach und nach ausgebaut. 1460 musste sich die Stadt gegen ein Heer von Eidgenossen wehren. Eine Belagerung der Stadt durch die "fremden Truppen" misslang. Die finanziellen Probleme blieben jedoch, so dass die Stadt 1467 an Zürich verpfändet wurde und zur zürcher Untertanenstadt mutierte.

Not macht erfinderisch

Der Entwicklung der Wirtschaft waren engen Grenzen gesetzt, denn man wollte nicht, dass die winterthurer Unternehmungen die Stadt Zürich und ihr Handwerk konkurrenzierten. Folglich wurden in Winterthur die Zünfte kurzerhand verboten. Was erlaubt war, bestimmten die zürcher Obrigkeit. Ofenbauer und Uhrhandwerk waren z.B. erlaubt. Einige der prunkvollen Öfen können heute im Museum Lindengut besichtigt werden. Diese wirtschaftlichen Beschränkungen hatten auch ihre guten Seiten, weil sie viele Innovationen hervorbrachten. Waren die "alten" Handwerke tabu, mussten neue Ideen die Kassen füllen. 1748 wurde eine Wattefabrik gegründet und 1775 gründete ein gewisser Salmon Sulzer eine Messinggiesserei und 1778 wurde die erste chemische Fabrik (nicht in Basel) aufgebaut. 1803 gründetet Johann Sebastian von Clais, Hans Jakob Sulzer und Heinrich Ziegler die erste mechanische Spinnerei der Schweiz. Auch der Baumwollhandel wurde von der zürcher Obrigkeit nicht behindert. Diese verschiedenen wirtschaftliche Nischen entwickelten sich in jener Zeit sehr gut.

Die frühere Industriestadt ist heute als Dienstleistungs-, Bildungs-, Kultur- und Freizeitzentrum mit 16 Museen bekannt. Der Bahnhof bewältigt die drittgrösste Zug- und Personenfrequenz der Schweiz; 15 Kilometer südwestlich liegt der Flughafen Zürich. Winterthur gilt als "Geheimtipp" und als "Vélostadt". Wohnungen sind noch einigermassen bezahlbar und die Anbindung an den ÖV ist sehr gut. Mit dem Vélo kann man sich in Winterthur hervorragend bewegen.

Kunst in Winterthur

Die Oskar Reinhartsammlung ist bei Kunstliebhabern weltweit bekannt. Oskar Reinhart (1885-1965) war Sohn einer Industriellenfamilie. Sein Vater, Theodor, war einer der Pioniere im Aufbau eines florierenden Handelsverkehrs zwischen Indien und Europa. Das Unternehmen "Gebrüder-Volkart" importierte v.a. Baumwolle (damals viertgrösster Baumwollimporteur) und machte so ein Vermögen. Gerne investierte Theodor Reinhart in die Kunst. Sein Sohn tat es ihm gleich und beschenkte die Stadt  Winterthur mit seiner Sammlung aus dem Familienbesitz. Seit 1970 ist die Villa "Am Römerholz" dem Publikum zugänglich (www). Das Museum beherbergt rund 500 Gemälde und Skulpturen vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie rund 7000 druckgraphische Werke und Handzeichnungen vom 15. bis 20. Jahrhundert. Alleine das wäre schon ein Grund Winterthur zu besuchen. Quellen: Stadtführer Winterthur, K. Bänziger, Stiftung Edition Winterthur 2012

Es gibt jedoch noch zahlreiche andere Attraktionen in Winterthur. Zum Beispiel lohnt sich ein Besuch im Fotomuseum, das einen einmaligen historischen und aktuellen Überblick über schweizer- und internationale Fotografie bietet. Zu weiteren Higlights gehört sicher auch das Technorama, welches sich der Technik und Wissenschaften widmet. Ausländische Besucher sind meistens begeistert von der Ausstellung "zum Anfassen".

Was es so gibt:

Fotomuseum Winterthur
Fotostiftung Schweiz
Gewerbemuseum Winterthur
Kunsthalle Winterthur
Kunstmuseum Winterthur
Mörsburg
Münzkabinett und Antikensammlung
Museum Lindengut
Museum Oskar Reinhart
Museum Schloss Kyburg
Naturmuseum Winterthur
Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz»
Schloss Hegi
Spielzeugmuseum im ehemaligen Kutscherhaus
Swiss Science Center Technorama
Uhrensammlung Kellenberger
Villa Flora
Zentrum für Fotografie